Der Sommer ist für viele die perfekte Zeit, um in Salzburgs Wäldern auf Schwammerlsuche zu gehen. Doch das Sammeln von Eierschwammerln, Steinpilzen und Co. birgt auch Risiken und stellt Anforderungen an Rücksicht und Sachkenntnis. Jedes Jahr kommt es laut Kuratorium für Verkehrssicherheit in Österreich durchschnittlich zu 44 Pilz-Vergiftungen. Insgesamt waren es seit dem Jahr 2006 793 Fälle, welche deshalb im Spital behandelt werden mussten. Um das Risiko zu minimieren, sind Grundkenntnisse und Erste-Hilfe-Wissen essenziell.

In Österreich sind über 12.000 Pilzarten bekannt – davon eignen sich nur etwa 100 Arten als Speisepilze. Viele andere sind ungenießbar oder sogar tödlich giftig. Im Bundesland Salzburg dürfen Privatpersonen täglich bis zu 2kg Pilze pro Person sammeln. Für Gruppen liegt das Höchstgewicht bei 8kg pro Tag. Das Sammeln ist nur zwischen 07:00 und 19:00 Uhr erlaubt – ab 1. Oktober endet die erlaubte Sammelzeit bereits um 17:00 Uhr. Gewerbliches Pilzesammeln ist bewilligungspflichtig und darf nur mit Genehmigung der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde erfolgen. In Naturschutzgebieten wie dem Nationalpark Hohe Tauern ist das Sammeln von Pilzen grundsätzlich verboten. Das Land Salzburg hat alle wichtigen Informationen rund um dieses Thema in einem Rathgeber-Folder „Pilzschutz in Salzburg“ zusammengefasst.

Die Gebote beim „Schwammerlsuchen“
Um Pilzvergiftungen zu vermeiden, gilt es folgende Grundregeln zu beachten:

  1. Verlassen Sie sich nicht auf Mythen: Giftpilze erkennt man nicht an Geschmack, Geruch oder alten Hausmitteln. Generell gibt es keine allgemein gültigen Merkmale, um Gift und Speisepilze zu unterscheiden. Das Schwarzwerden einer mitgekochten Zwiebel oder eines Silberlöffels sind alles Mythen und ein gefährlicher Irrtum.
  2. Nur sicher bekannte Pilze essen: Verwechslungen kommen selbst bei erfahrenen Sammler:innen vor. Achtung bei Pilzbestimmungs-Apps, Beschreibungen oder auch Bildern, wenn der Pilz persönlich nicht bekannt ist. Pilze sind in Form und Farbe sehr variabel – ein Pilzsachverständiger hilft im Zweifel.
  3. Einschätzen, was man wirklich kennt: Ist man sich nicht 100-prozentig sicher, dass ein Pilz essbar ist, bleibt dieser im Zweifelsfall besser im Wald. Konzentration auf jene Pilzarten die man eindeutig kennt.
  4. Keine Selbstversuche: Fragliche Exemplare, die nicht eindeutig zuordenbar sind, immer getrennt transportieren und nicht verkosten. Sogenannte Pilzberatungsstellen helfen bei der Identifizierung und geben Auskunft über die Genießbarkeit.
  5. Nur frische und gesunde Pilze sammeln: Pilze sind sehr empfindliche und höchst verderbliche Lebensmittel. Alte, faulige oder von Maden befallene Pilze sind tabu – sie können Lebensmittelvergiftungen verursachen.
  6. Junge Pilze nur sammeln, wenn sie sicher bestimmbar sind: Bei allzu jungen Exemplaren sind wichtige Merkmale mitunter noch nicht ausgeprägt. So sind zum Beispiel fatale Verwechslungen von sehr jungen Eierschwammerln mit dem tödlich giftigen Spitzgebuckelten Raukopf möglich.
  7. Richtige Transportbehälter nutzen: Zum Transport eignen sich am besten Körbe, um die Pilze luftig gelagert mitzunehmen. Durch Plastiksackerl oder andere luftdichte Gefäße kann Wärme und Feuchtigkeit entstehen, was die Pilze schneller verderben lässt und ungenießbar machen kann.
  8. Pilze richtig zubereiten und lagern: Viele Speisepilze sind roh giftig! Am besten noch am selben Tag zubereiten und vor dem Verzehr gut durcherhitzen. Für eine etwas längere Lagerung können Pilze eingefroren oder mit eines Trockengeräts getrocknet und luftdicht verpackt an einem kühlen dunklen Ort aufbewahrt werden.
  9. Keine Pilze zerstören – auch keine Giftpilze: Sie sind wichtige Bestandteile des Waldökosystems.

Schnelles Handeln kann Leben retten – Erste Hilfe bei Pilzvergiftungen
Wenn nach dem Verzehr von Pilzen Symptome wie Übelkeit, Schweißausbrüche, Benommenheit, Erbrechen oder Durchfall auftreten, ist höchste Vorsicht geboten. Wichtig ist dann Erste Hilfe zu leisten und die Rettung (Nummer 144) zu holen oder mit der vergifteten Person direkt ins Krankenhaus zu fahren. Keine Hausmittel, wie Milchtrinken, Alkohol oder Rizinusöl anwenden und den Patienten beobachten, bis Hilfe da ist.     
Unbedingt die Pilzreste aufbewahren – sowohl gekochte als auch rohe Reste (auch Putzreste, Erbrochenes oder Stuhlprobe) – und der Rettung übergeben. Diese helfen bei der Diagnose.